Ich bin auf der Suche nach Unterstützungsunterschriften viel mit höchst interessanten Menschen in Kontakt gekommen. Es wurde eine Menge angesprochen und diskutiert. Hier stelle ich eine Auswahl von Fragen und Themen ein, die Voerder Bürger interessiert haben:

 

- Warum diese Sache mit dem von Tür zu Tür laufen?

 

Ja, ich gebe es zu, es ist keine besonders effiziente Art Menschen zu erreichen. Allerdings habe ich mich bewusst gegen das übliche Politikerverhalten entschieden, mich zu einer Gesprächsrunde bei Vereinen einzuladen und auch gleich die Presse im Schlepptau dabei zu haben. Ich möchte, dass die Voerder Bürger begreifen, dass es mir um jeden Einzelnen geht und nicht nur darum, ein Konglomerat an Interessengemeinschaften abzugrasen. Hinzu kommt, dass ich auf diese Weise auch die Menschen erreichen kann, die aufgrund eines ausgefüllten Alltags nicht in Vereinen oder politisch organisiert sind. Oft treffe ich auch keinen an. Aber wenn ich jemanden zu Hause antreffe ergibt sich fast immer ein wesentlich intensiveres Gespräch als es in einer Gruppe möglich gewesen wäre.

 

- Thema Schulpolitik, welches in vielen verschiedenen Fragestellungen thematisiert wurde.

 

Ich halte es auf jeden Fall für wichtig, dass in Voerde jeder Schulabschluss angestrebt werden kann. Und das mit einer Planungssicherheit die sich über die gesamte Schullaufbahn erstreckt. Trotz des Megatrends der hohen Mobilität der sich unsere Gesellschaft stellen muss, und dies streckenweise auch selber forciert, sollte es den Schülern in Voerde nicht zugemutet werden, bis nach Hünxe, Dinslaken oder Wesel pendeln zu müssen. Diese Einbuße an Lebensqualität werden die meisten früh genug hinnehmen müssen.

 

- Tun Sie denn auch was für die alten Menschen?

 

In Voerde sind 27% der Bevölkerung über 60 Jahre. Bitte jetzt nicht schlagen - ich kenne viele rüstige Menschen über 60, die stehen mitten im Leben und fühlen sich überhaupt nicht alt. Es gibt aber auch viele, die vereinsamt und isoliert leben. Die große Mehrheit will im Alter nicht ins Heim, sondern in vertrauter Umgebung bleiben. Hier gilt es alten und pflegebedürftigen Menschen ein möglichst langes Wohnen im vertrauten, eigenen Umfeld zu ermöglichen. Dafür muss das Umfeld stimmen. Dazu gehört, dass in den Stadtteilen die nötige Infrastruktur - etwa mit zentralen nachbarschaftlichen Anlaufstellen, Hilfsangeboten oder Ärzten - aufgebaut wird. Für die Stadt wird es mit Sicherheit langfristig günstiger in altengerechte Wohnquartiere und Stadtteile zu investieren, als für die immer älter werdende Bevölkerung Heimplätze einzurichten.

 

- Es wird in Voerde viel für Kinder getan, aber für den Hund, für den ich Steuern zahle, gibt es keinen vernünftigen Platz, wo ich mit ihm arbeiten kann.

 

In der Diskussion sind wir übereingekommen, dass es nicht besonders anspruchsvoll sein kann, eine Fläche zu schaffen, die allen Ansprüchen gerecht wird. Als wesentliche Merkmale stelle ich mir vor: Natürlich eingezäunt, damit weder Hundeführer noch Passant befürchten müssen, der Hund büxt im Eifer des Spieltriebes aus. Mit Aufstellern für Plastiktüten, um den Platz auch langfristig nutzbar zu halten. Vielleicht lassen sich die ortsansässigen Hundesportvereine dazu bringen, für die Anlage eine Patenschaft für die Pflege zu übernehmen. Alles Sachen, die man anstoßen könnte, übrigens nicht nur als Bürgermeister ;-)

 

- Spielplätze in Voerde

 

Im Kontrast dazu wurde ich von mehreren Personen angesprochen, dass für Kinder und Jugendliche zu wenig in Voerde getan wird. Neubaugebiete erhalten schöne neue Spielplätze aber der Spielplatzbestand verrottet immer mehr. Und diese Bürger wussten zu berichten, dass allein die Zinszahlungen für den neuen Sportplatz, dieselbe Größenordnung haben, wie das Jahresbudget zum erhalt aller vorhandenen Spielplätze in Voerde. Da fragt man sich doch, ob man hier das Image als junge, familienfreundliche Stadt, mit dem Voerde gerne wirbt, nicht leichtfertig verspielt.

 

- Stadt - welche Stadt?

 

Ich habe mit mehreren Personen gesprochen, die Angst davor haben, dass Voerde sich in einer sozialen Abwärtsspirale bewegt. Der Verlust von Urbanität durch mangelnde Einkaufsmöglichkeiten, die empfundene Stagnation in vielen Bereichen führt im Einzelfall sogar zu Aussagen, dass man mit dem Wissen von heute nicht nochmal nach Voerde ziehen würde. Aber mit einer Baufinanzierung die gerade drei Jahre läuft ist das mit dem Wegziehen eben nicht einfach. Mir wurde in diesem Gespräch bestätigt, dass es durchaus gerne gesehen wird, wenn die Stadt nicht nur einfach weiter verwaltet wird, sondern sich jemand mit dem Mut und dem Willen auch unübliche Wege zu gehen, sich für die Stadt einsetzt.

 

- Bäume versus Sichtlinie

 

Empörung konnte ich auch erfahren, über die Neugestaltung des Schlossparkes. Hier wurden zur Herstellung einer schöneren Sichtlinie jahrzehntealte, gesunde Bäume gefällt. Dies wird bei Einigen als eine völlig überflüssige Vorgehensweise angesehen, wenn man berücksichtigt, mit was für Problemen sich Voerde konfrontiert sieht. Als ich dann noch aus einem Ausschuss zu berichten wusste, dass die Verwaltung von einer Fraktion den Auftrag erhalten hat, zu prüfen ob Voerde kulturhistorisch überhaupt als waldreiche Gegend einzustufen ist (dies geschah auch im Zusammenhang mit der Abholzung des Babcock-Waldes), war das Erstaunen über eine derartige Logik grenzenlos.

 

- Für Gewerbesteuern muss sich Gewerbe niederlassen dürfen

 

Völliges Unverständnis wurde darüber geäußert, dass sich Anfang 2013 am ehemaligen Paradise Planet kein McDonalds ansiedeln durfte. Angeblich lag die Ablehnung nicht an der Stadt, sondern an Anwohnern, welche dies Aufgrund von möglicher Lärm- und Müllentstehung ablehnten. Anwohner neben einer ehemaligen Disco machen sich Sorgen um den Lärm eines Schnellrestaurants? Darüber hinaus ist mir kein vermüllter McDonald‘s bekannt, da die Inhaber die Problematik kennen und entsprechend gegenarbeiten. Ich finde das achtlose Wegwerfen von Müll ist eigentlich auch kein Problem der Gewerbetreibenden, sondern ein gesellschaftliches. Wenn man es nicht schafft der nachfolgenden Generation die gesellschaftliche Konvention nahe zu bringen, seinen Unrat nicht unachtsam in die Landschaft zu werfen, hat die Erziehung versagt, nicht der Gewerbetreibende. Ein ähnliches Beispiel soll sich mit einem Drogeriemarkt ergeben haben, welcher sich nicht ansiedeln durfte, weil er nicht in das Einzelhandelskonzept passen würde. Konzepte können ja was schönes sein, aber manchmal sollte man einfach Chancen ergreifen, wo sie sich einem bieten.

 

- Amüsantes am Rande

 

Ein junggebliebener Mitbürger sagte mir: "Wissen sie, ich habe keine Ahnung ob Sie der beste Kandidat als Bürgermeister sind. Aber wenn man normalerwiese nur die Wahl hat zwischen Pest und Cholera, tut so eine kleine Grippe zur Abwechslung auf dem Wahlzettel ganz gut. Meine Unterstützung haben Sie." - Nochmals vielen Dank für die aufmunternden Worte an dieser Stelle von mir.