Folgende Fragen haben mich per Mail erreicht:

 

- In dem einen oder anderen Zeitungsartikel kommen Sie ja nicht besonders gut weg. Wollen Sie keine Gegendarstellung veröffentlichen?

 

Schönen guten Tag Herr S,

 

das war zu erwarten, es ist schließlich Wahlkampf – und das heißt nicht umsonst so. Für das Establishment bin ich nur ein einziger Störfaktor. Ich wurde vorgewarnt und nehme mir deswegen wenig davon an. Zum überwiegenden Teil sind die Sachen ja inhaltlich auch richtig. Es liegt jetzt am mündigen Bürger zwischen Fakten und Interpretation zu unterscheiden. Ich habe z.B. keine Verwaltungserfahrung, das ist ein Fakt. Mir aber damit auch unterstellen zu wollen ich wäre nicht lernfähig, wird bei Bürgern die sich informieren nicht funktionieren. Den Gegenbeweis habe ich mehrfach erbracht und ist auf meiner Homepage einsehbar. Ansonsten halte ich es gerne mit der Fabel von den Fröschen. Also an einer weitgehend inhaltslosen, personenbezogenen Schlammschlacht werde ich mich nicht beteiligen.

 

- Sie schreiben auf Ihrer Homepage, dass Sie verheiratet sind. Als ich mit Ihnen gesprochen habe, trugen Sie aber nur einen Ring am linken Ringfinger. Lügen Sie etwa?

 

Sehr geehrter Herr L.,

 

das ist aber sehr unschön. Nur weil ich mich auf ein politisches Amt bewerbe mich gleich unter Generalverdacht zu stellen einer Politikerkrankheit anheim gefallen zu sein. Aber Spaß beiseite, die Ringe die meine Frau und ich selber für uns gemacht haben (jeder den Ring des anderen), tragen wir bewusst links - auf der Seite des Herzens. Dies ist übrigens in weiten Teilen der Welt so üblich. Nur in Zentraleuropa wird der Ehering öfter rechts getragen. Es wird unter anderem vermutet, dass dies aus dem mittelalterlichen Brauch herrührt die Ehe als ein Geschäft zu sehen und deswegen auch der Ring an der Hand zu tragen ist, mit der man Verträge unterschreibt.

 

- Ich habe in der Heckscheibe Deines Autos den Aufkleber "carpe diem" gesehen. Du weißt, dass diesen Namen auch eine rechtsextreme Band trägt?

 

Hallo J.,

 

ja da bin ich schon mal im Freundeskreis drauf hingewiesen worden. Der Schriftzug-Aufkleber ist eine Eigenkreation. Die ursprüngliche und von mir damit zum Ausdruck gebrachte Bedeutung kann man unter Wikipedia nachlesen. Dass sich eine Rechtsrockband ebenfalls so nennt, ist mir bei der damaligen Recherche auch aufgefallen und es ist sehr bedauerlich, ändert aber nichts an der ursprünglichen philosophischen Anlehnung aus der heraus ich diese Heckscheibengestaltung ersonnen haben. Soll ich auf diesen zu mir und meinen Überzeugungen gehörenden Teil verzichten, nur weil ich weiß, dass viele Sinnsprüche und Symboliken von völkischen Vereinigungen missbraucht werden, um Wurzeln (und damit teilweise auch Rechtfertigungen) für deren, aus reinem Frust bestehendem, Gedankengut zu kreieren?

 

Wäre es nicht der größere Erfolg für unsere Gesellschaft, wenn Menschen völlig unbefangen und um den ursprünglichen Inhalt bemüht, sich mit Dingen beschäftigen, anstatt alle Adaptionen auszublenden, die auch nur ansatzweise nach „Rechts“ riechen. So nimmt man denen die Macht über die Bedeutung von Dingen zu bestimmen. Sonst müssten wir auch darüber nachdenken nicht mehr die Autobahnen zu benutzen (sind nun mal im Dritten Reich gebaut worden) und auf den Händen zu laufen (aufrecht gehen haben Rechte leider auch gelernt).

 

Ich darf Dir an dieser Stelle versichern, dass ich keine extremen Positionen vertrete, weder links noch rechts. Als Mensch der Vernunft sollte einem bewusst sein, dass die Lösungen für die Probleme unserer Gesellschaft in keinem Extrem zu finden sind.

 

- Warum findet man eigentlich kein Wahlplakat von Ihnen?

 

Sehr geehrte Frau K,

 

das hat einen einfachen Grund: ich habe keine aufgestellt. Zum Einen muss ich mit meinem komplett privat finanzierten Wahlkampf aus Kostengründen darauf verzichten, zum Anderen würde ein weiteres Wahlplakat im derzeitigen Stadtbild überhaupt nicht auffallen – schon gar nicht positiv. Ist halt Superwahljahr und man sollte ein Verpflegungspaket mit in die Wahlkabine nehmen, soviel Kreuze wie diesmal gemacht werden müssen. Wer mich wählen möchte, wird mich auch ohne Wahlplakat wählen. Alle anderen werde ich mit zusätzlichen Plakaten nicht überzeugen können.

 

- Ich habe zwar einen Patrick Hanraths bei facebook gefunden, das waren aber offensichtlich nicht Sie. Warum sind Sie nicht bei facebook?

 

Schönen guten Tag Herr M,

 

ich bin aus Überzeugung nicht bei facebook. Ja, ich weiß - es ist schick und modern. Und jeder Wahlberater würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, diese Möglichkeit nicht zu nutzen. Aber ich kann nicht auf der einen Seite etwas gegen den „gläsernen Menschen“ haben und über die globale Überwachungs- und Spionageaffäre der NSA den Kopf schütteln und gleichzeitig bewusst bei etwas Mitglied sein, dass mehrfach gegen deutsches und europäisches Datenschutzrecht verstößt. Auch wenn es mir im Fall des Wahlkampfes vielleicht zum Nachteil gereicht, werde ich an dieser Stelle nicht für den persönlichen Vorteil gegen meine Überzeugungen handeln. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Weichen für Voerde nicht auf facebook gestellt werden.