Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Voerde,

 

ich als Bürgermeisterkandidat einer Stadt,mit der mich bisher, bis auf eine relative räumliche Nähe, nichts verbindet? Ein ungetrübter Blick, ohne persönliche Präferenzen und Vorbelastungen, kann für das Amt von Vorteil sein. Es geht ja beim Amt des Bürgermeisters nicht darum dessen Vorstellungen von einer lebenswerten Stadt umzusetzen, sondern Ihre - die der Bürger. Und Sie werden mir schon mitteilen wo Ihnen der Schuh drückt. Auch hier hilft es, offen mit Vorschlägen umzugehen, wenn man selber nicht schon vorgefertigte Meinungen hat. Die fachlichen Voraussetzungen für die Leitung einer Verwaltung sind bei mir (noch) nicht besonders ausgeprägt. Es kommt mir fast wie Utopie vor und ich mir manchmal ein wenig lächerlich. Die Betrachtung der weiteren Kandidaten für das Amt ist ebenfalls niederschmetternd; ein Verwaltungsexperte aus dem Kreis für die SPD und die Finanzexpertin der Stadt für die CDU. Wo sollen da realistische Chancen für einen Fachfremden liegen? Wenn mir nur dieses Bild von David gegen Goliath nicht so gut gefallen würde. Sind die Herausforderungen gegen die Wahrscheinlichkeiten der Statistik nicht die schönsten? Es liegt also nun an mir Mut zu fassen und Demokratie zu wagen.

 

Überparteilichkeit und Sachbezug sind garantiert

 

Meine bisherige politische Aktivität beschränkte sich eher auf ungläubiges Kopfschütteln, ob der ein oder anderen, in den Medien wahrgenommen, politischen Entscheidung. Die Reaktion über die Entscheidungsfindung, wo man ihr denn gewahr wurde, fiel selten verständnisvoller aus.  In dem Punkt bin ich wohl wie die meisten Bürger und stehe politischem Gebaren, vor allem parteipolitischem, eher skeptisch gegenüber. Wo ich mich von den Meisten unterscheide, ist der Umstand, dass ich aus dieser Skepsis heraus ein Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften an der FernUniversität Hagen begonnen habe. Einfach so, nur weil ich die Dinge, die sich auf der politischen Bühne zutragen, besser verstehen und nicht weiter auf Stammtischniveau diskutieren wollte. Eine berufliche Orientierung in diese Richtung war eigentlich nicht geplant. Jetzt kann dieser Umstand vielleicht zum entscheidenden Faktum werden, der meine berufliche Zukunft die nächsten Jahre bestimmt. Beflügelt von der Begeisterung für das verantwortungsvolle Amt des Bürgermeisters, habe ich dann auch kurzentschlossen eine Homepage erstellt. Mal eben informiert wie man das am besten macht und schon drei Tage später stand das Grundgerüst, mit dem Sie sich als interessierte Bürger über mich informieren können. Auch die „Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen“ (von Articus/Schneider), das „Handbuch Kommunalpolitik“ Nordrhein-Westfalen (von Bernd Jürgen Schneider) und die „Kommunale Redepraxis“ (von Löhken/Brugger) bevölkern inzwischen mein Bücherregal. Aber wie versuchen an Profil zu gewinnen, sich den Bürgern der Stadt bekannt zu machen und dabei die interessanten Themen herauszufiltern (ohne dabei auf von der Partei bezahlte Umfragen zurückzugreifen, wie es der SPD Kandidat kann)? Mein Plan ist, ab dem Tag meiner Nominierung jeden Werktag mit einem Bewerbungsschreiben von Haustür zu Haustür zu gehen und mich persönlich bei den Bürgern als Kandidat zu bewerben. Wo ich keinen antreffe wird die Bewerbung im Briefkasten hinterlegt. Wenn mir die Tür geöffnet wird, bitte ich nach der Vorstellung meiner Person und meines Anliegens um ein paar spontane Stichworte, was die Person an Voerde besonders gut, bzw. besonders schlecht findet. Damit wäre dann auch ein großer Themenspeicher gelegt, welcher als Grundlage für die Anfänge meiner Arbeit im Amt fungieren würde, direkt von Ihnen mir auf das Blatt diktiert.

 

Qualitätsmanager in der Politik? Warum nicht!

 

Kann ein Quereinsteiger aus der Industrie ein interessanter Kandidat sein? Führungserfahrung bringe ich aus meinem bisherigen Beruf mit, auch wenn ich mir sicher bin, dass die Leitung einer Verwaltungseinrichtung  mit ca. 240 Beschäftigten eine ganz andere Herausforderung ist, als ich es bisher gewohnt bin. Aber ein wertschätzender und kooperativer Führungsstil mit einem akzentuierten und maßhaltigen Umgang mit Lob- und Tadelgesprächen gehören zur geübten Praxis. Kooperation war aber nicht nur beim Führen angezeigt, sondern noch wesentlich essentieller bei der Moderation interdisziplinärer Arbeitsgruppen, wobei mir ein ausgleichendes Wesen regelmäßig gute Dienste erwies. Auch in einem europäischen Forschungsprojekt  konnte ich meine Teamfähigkeit bereits unter Beweis stellen (PM’n’IDEA war ein Projekt des 7. Rahmenprogramms der Europäischen Kommission unter der Leitung der UNIFE von 2009 bis 2012). Umsicht und Weitsicht in der Entscheidungsfindung sind weitere Begrifflichkeiten die, aufgrund des Nachhaltigkeitsgedankens, von dem jeder überzeugte Qualitätsmanager geprägt sein sollte, von mir mit Inhalt gefüllt werden können. Geradezu faszinierend finde ich die Fragen „Wieviel Qualitätsmanagement lässt sich in der Kommunalpolitik umsetzen? Wünscht man sich das als Bürger nicht regelmäßig: Einen subjektiv von außen wahrnehmbaren Qualitätsstandart für die Politik?“ Es gibt mit Sicherheit Qualitätstechniken die sich sehr einfach direkt adaptieren lassen (z.B. 5W, Ishikawa-Diagramme oder Pareto-Analysen zur Ursachenforschung von Problemen). Auch kann die, durch den prozessorientierten Ansatz der DIN ISO 9001, implizierte Sichtweise, alle internen Stellen (z.B. Nachbarabteilungen oder Nebenbetriebe) als Dienstleister oder Kunden des eigenen Prozesses zu sehen, hilfreich sein, sich in einen Verwaltungsapparat mit dem entsprechenden Fingerspitzengefühl zu bewegen und auch die verschiedenen Bereiche untereinander in Einklang zu bringen. Als letzten Punkt dieser Ausführungen möchte ich noch die starke Kundenorientierung, die, wenn auch von der Norm gefordert, nicht nur zum Selbstzweck mein bisheriges Berufsbild als Qualitätsmanager stark prägte, hervorheben. Schließlich ist dies genau das, was Sie sich für den neuen Bürgermeister von Voerde wünschen sollten. Zum Wohle dessen Kundenkreises, der Bürgerschaft, der Betriebe und der Verwaltung - nichts anderes macht eine Stadt aus!

 

Evolution statt Revolution, aber das konzentriert und dynamisch

 

Ich bin mir der Verantwortung, die aus der Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters erwächst, bewusst. Auch weiß ich, dass der Preis für den Fall eines Erfolges bei der Wahl sehr hoch sein wird. Der Verlust von Freizeit und Privatsphäre wird aber in Kauf genommen, für die Möglichkeit etwas für und mit Menschen zu bewegen, in einem Maß, welches die meisten Berufsbilder nicht hergeben. Dafür möchte ich mich einsetzen und bei Ihnen als Bürgermeister bewerben. In der Hoffnung, dass ich Sie von meiner Person überzeugen konnte, verbleibe ich

 

mit freundlichen Grüßen

 

P. Hanraths